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Bau eines Lehmbackofens

Eines Tages kamen wir – meine Frau und ich - in einem Gespräch auf die Idee, einen Lehmbackofen zu bauen. Nachdem wir nur lose ab und an darüber geredet hatten, folgte dann zu Weihnachten für mich das passende Buch dazu: Lehm-Backöfen Selbst gebaut!
Dieses Buch ließ die Idee konkret werden. Auch wenn es etwas viel Prosa enthält, gibt es doch alle wichtigen Informationen zum Bau eines eigenen Lehmofens, angefangen bei der Materialauswahl bis zum Design, abgerundet durch ein paar Rezepte zum Brotbacken. Ergänzend dazu haben wir viel im Internet recherchiert. Der Bau eines solchen Ofens ist zwar im Prinzip recht einfach, aber es gibt doch viele Details zu beachten, um diesen auch erfolgreich zu Ende zu bringen.
Trotz der recht vielen Stunden, die wir in dieses Projekt gesteckt haben, können wir einen solchen Ofen nur weiterempfehlen. Das Brot schmeckt einfach besser, und der Ofen ist ganz sicher der Star jeder Pizzaparty.

Niederlehme, 15.11.2020

Marcel Mück

Design

Beim Design ließen wir uns vom Titelbild des Buches inspirieren, setzten dieses aber doch ganz eigenständig um. Wir entschieden uns nämlich, den Ofen nicht auf einen Steinsockel, sondern auf ein Holzständerwerk zu setzen. Der Brennraum sollte ca. 70 cm durchmessen, damit man mehrere Brote in einem Gang backen kann oder beim Pizzabacken noch Platz für ein seitlich mitlaufendes Feuer hat. Als Aufstellort wählten wir den Rand unserer Holzterrasse, so dass der Ofen direkt von unserer Gartensitzgruppe aus erreichbar ist. Bevor es mit dem Aufbau losging, stand erstmal die Wahl des richtigen Lehms an.

Materialauswahl

Wir haben uns nach intensiver Recherche und Tests des lokalen Lehms dafür entschieden, das Material für unseren Ofen bei Lehmdiscount zu kaufen, da er hier recht preiswert war und schnell geliefert werden konnte. Als der Lehm in einem Bigbag auf einer Palette abgeladen vor dem Tor stand, ging es zunächst an das Testen des richtigen Mischungsverhältnisses. Denn Lehm ist nicht gleich Lehm. Das Mischungsverhältnis von Sand und Ton kann je nach Abbauort variieren. Zu viel Sand führt dazu, dass der Lehm bröckelig wird, zu wenig hat am Ende eine zu starke Schwindung und damit Risse zur Folge. Um herauszufinden, wie viel Sand wir dazugeben müssen, haben wir verschiedene Ziegelsteine und Kugeln hergestellt und diese trocknen lassen. Gut zu erkennen ist, dass hier bereits eine Stroh-Armierung eingearbeitet war.

Die Kugeln haben wir nach kurzer Trocknungszeit aus einem Meter Höhe fallen gelassen und beobachtet, wie sie zerplatzen. Bei den Ziegeln haben wir die Schwindung über mehrere Tage verfolgt. Am Ende haben wir uns für ein Mischungsverhältnis von zwei Teilen Lehm zu einem Teil Sand entschieden. Bevor es jedoch an den Bau des Ofens gehen konnte, mussten wir natürlich zunächst das Fachwerk errichten, das den Ofen später tragen soll.

Aufbau des Fachwerks

Aus normalen Baumarktbalken mit 100 mm Dicke errichteten wir zunächst zwei Elemente mit Diagonalstützen.
Diese verbanden wir mit weiteren, durch Diagonalstützen stabilisierten Querträgern und schraubten an die Füße H-Pfostenträger für das anschließende Einbetonieren in dafür bereits vorbereitete Erdlöcher.
Da ein Lehmofen nicht direkt der Witterung ausgesetzt werden darf, wurde auf das Gestell ein Dach aufgesetzt.
Als Nächstes wurden 40 mm dicke Bohlen auf darunter noch zur Verstärkung montierten weiteren vier 100 mm Balken befestigt. Später wurde auch noch ein fünfter Fuß in der Mitte hinzugefügt, damit über diesen ein Teil der abgeschätzten Last von 700 kg abgetragen werden kann. Nachdem wir alles mit Wetterschutzlasur überzogen hatten, fingen wir mit dem Kern des Projektes an.

Der Ofenbau

Nun ging es also endlich los mit dem Ofen. Zunächst haben wir eine 10 cm hohe Verschalung auf die 40 mm Bohlen aufgebaut und diese mit Lehm ausgestampft. Um eine bessere Isolierung nach unten zu erhalten, haben wir Weinflaschen eingearbeitet. (Im Nachhinein betrachtet ist das aber nur sinnvoll, wenn der Ofen auf einen Steinsockel oder direkt auf dem Boden aufgebaut wird, die Weinflaschen mindern in unserem Fall die Wärmespeicherkapazität des Ofenbodens.) Nachdem dieses Lehmfundament ca. 3-4 Wochen lang trocknen konnte, wurde zunächst die Backfläche mit Schamottsteinen ausgelegt. Diese wurden mit Ofenzement verfugt. Danach haben wir begonnen den Ofenmund aus Ziegelsteinen zu fertigen. Hierzu wurde zunächst eine Holzform aus zwei parallelen Platten gefertigt, auf die die Steine vor Verfugen angeordnet wurden. Wichtig dabei ist es, zum Verbinden der Steine, ebenfalls Ofenzement zu verwenden. Die Fugen wurden dann später mit Lehm verspachtelt.
Nachdem der Ofenmund getrocknet war, haben wir die gusseiserne Ofenklappe (hier noch ohne Glas und Ofenthermometer) eingebaut. Dazu wurde wie beim Bogen selbst auch feuerfester Ofenzement verwendet.

Die Ofenkuppel

Um die an ein Iglu erinnernde Ofenform zu erzeugen, wurde zunächst eine Sandform aus einfachem, leicht feuchtem Spielsand auf der Backfläche errichtet, die die Größe des späteren Brennraums haben sollte. Diese wurde, damit man sie später besser entfernen kann, mit feuchtem Zeitungspapier abgedeckt. Oben wo der Abzug entstehen soll, wurde ein Keramikblumentopf auf die Form gestellt, damit die Öffnung frei bleibt.

Nun ging es endlich los! Ein Teil der Familie stellte die Lehmmischung (wie oben beschrieben, Lehm: Sand =2:1 + nicht zuviel Wasser) und daraus ca. tennisballgroße Kugeln her. Der andere Teil drückte sie kräftig aneinander und gegen die Sandform. Bei der untersten Lage (ca. 5 cm) wurde das reine Lehmgemisch verwendet. Darauf wurde dann zunächst als Armierung Kaninchendraht gelegt. Die nächste Schicht Lehm von weiteren 5 cm Stärke wurde mit Strohhäcksel versetzt, um später das Risiko von Rissbildung zu vermindern.
Nach 10 cm Gesamtschichtdicke wurde dann eine komplette, ca. 1-2 cm dicke Strohlage aufgetragen (leicht feucht). Dadurch sollten am Ende zwei getrennte Ofenhüllen entstehen um die Isolierung zu verbessern. Auf diese Strohlage wurden dann weitere 8 cm Lehm, wieder mit Stroh versetzt aufgebracht. Bei den letzten 2 cm wurde der Lehm statt mit Stroh mit Sägespänen versetzt, um eine feinere Oberfläche zu erreichen. Die äußeren Millimeter wurden dann mit reinem Lehm gefertigt und dieser beim Trocknen immer wieder mit einem Reibebrett (ggfs. anfeuchten) glatt gerieben.

Der Wandaufbau ist dann wie folgt (von Innen nach Außen):

Dicke

Material

Zweck

5cm Lehmgemisch Bildet den späteren Brennraum. Späne und Stroh würden verbrennen.
  Armierung aus Draht Stabilisierung des Ofens, Vermeidung von Rissbildung
5cm Lehmgemisch mit Stohhäckseln Vermeidung von Rissbildung
1-2cm Stroh Trennung von Innen- und Außenhülle
8cm Lehmgemisch mit Stohhäckseln Vermeidung von Rissbildung
2cm Lehmgemisch mit Sägespänen Vermeidung von Rissbildung; feinere Oberfläche
ca. 0,5cm Lehmgemisch Feine Oberfläche


Nach einer Trocknungszeit von ca. zwei Wochen entfernten wir durch die Ofenklappe die Sandform und ließen den Ofen weiter trocknen (nach ca. 2 Wochen haben wir einige kleine Feuer entzündet um den Vorgang zu beschleunigen).
Zu beachten ist, dass wir uns für einen Abzug entschieden haben, der von der Spitze des Ofens durch das Dach geführt wird. Dieser besitzt eine Drosselklappe und lässt sich nach oben wegschieben, damit die Öffnung während des Backens durch einen Lehmstopfen verschlossen werden kann.
Nach ca. 6 Wochen war es dann so weit: Das erste Feuer konnte entzündet werden. Bedingt durch die Feuchtigkeit kam es zu starker Rauchbildung, und wir verlängerten den Abzug auf dann zwei Meter.
Sich bildende Risse (Ist normal) wurden dann mit Lehm wieder geschlossen.
Nach weiteren zwei Wochen konnten wir endlich Brot (Backzeit 15-20 min) und Pizza (Backzeit: 2 min!) backen. Lecker!

Bei Fragen stehe Ich per Mail gern zur Verfügung, wenden Sie sich einfach das Lehmdiscount-Team.

Bildlegende

1- das Buch
2- Lehmproben
3-6 das Fachwerk
7/8- Ofenmund aus Schamottsteinen
9- Schamottsteine mit etwas Deko der Kinder
10- Danach ging es an den Bau der Ofenkuppel
11- Schicht für Schicht entstand so der Ofen
12-16 der fertige Ofen

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