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Fachwerkhaus am Wildbach

Ein Rinnsal, nach kräftigen Regenfällen auch schon mal ein echter Wildbach, plätschert durch die große Wiese. Über eine kleine Brücke erreicht man trockenen Fußes den Hang an dem das typisch erzgebirgische Fachwerkhaus, wahrscheinlich schon seit 1860 steht. Jahrelang hat uns dieses Haus mit seinen kleinen Fensteraugen zugelächelt, bis ... ja bis sich eine gewisse Person ein Herz gefasst hat. Viel zu tun!

In Gemäuern, die schon so vielen Generationen ein Zuhause bedeuteten. Kammern in denen Menschen zur Welt kamen, sich Menschen liebten, miteinander lachten, feierten, trauerten und das oft nicht leichte Leben lebten. Alte sind gestorben, Junge setzten das Werk ihrer Vorfahren fort. Diese Aufgabe, die viel Zeit, Kraft, Schweiß, Ideen, Improvisationstalent und nicht zuletzt Geld förmlich verschlingt sehen wir als unser Lebenswerk an. Eines was nach uns, so hoffen wir, eine weitere junge Generation fortsetzten wird.

Es war im Jahr 2008 als wir unser Haus gekauft haben. Baujahr des Hauses ist schätzungsweise 1860, wobei es wahrscheinlich schon viel früher ein oder mehrere Vorgängerbauten an der Stelle gab. Wir sind nachweislich die 22. Besitzer des Grundstückes.
Es handelt sich bei unserem Haus um ein typisches erzgebirgisches Fachwerkhaus mit Bruchsteinmauerwerk im Erdgeschoss und Fachwerkaufbau.
Zum Glück war noch vieles im Urzustand und wenig kaputt renoviert. Bis auf die Fenster, die leider zu DDR-Zeiten von den ursprünglich typischen Fenstern im klassichen Hochformat mit einem Flügel zu Zweiflügligen geändert wurden.
Wir haben Anfang 2008 mit der groben Entkernung angefangen. Der alte Putz wurde entfernt, das Haus außen trocken gelegt, das Dach neu gedeckt, ein Anbau abgerissen, usw..

Ausbau Zimmer für Zimmer

Im darauffolgenden Sommer machten wir uns an die Fachwerkwände im Obergeschoss. Die Wände waren komplett mit Kapackplatten verblendet und tapeziert. Sogar die Balken waren teilweise tapeziert (mit Reißzwecken!).
Nachdem wir alles entfernt hatten was nicht zum historischen Fachwerk gehörte ging es an den Wiederaufbau der Fachwerkstruktur. Lose Teile der Lehmausfachungen wurden entfernt, der trockene Lehm in großen Behältern gesammelt und für die spätere Verarbeitung gelagert. Teilweise mussten wir Staken in die Gefache neu einsetzen.
Für das Ausbessern der Gefache wurde zunächst der alte Lehm aufgebraucht. Wir haben uns aufgrund der geringen Wandstärke von nur 10-14 cm und weil wir die Fassade erst später erneuern wollten, für eine „Innenwanddämmung“ mit Holzhäcksellehm entschieden.
Folgenden Aufbau haben wir in unserem Haus umgesetzt. Wir haben ein Ständerwerk aus Kanthölzern vor die Außenwände gestellt. Dieses wurde temporär mit Schaltafeln so beplankt, dass man den feuchten Holzhäcksellehm von oben einfüllen und einstampfen konnte. Alle 20 cm wurde gestampft, danach wieder neu eingefüllt und wenn die Oberkante der Schaltafel erreicht war haben wir die Schaltafel ein Stück höher gesetzt bis zur Decke.
Als nächste Schicht im Wandaufbau haben wir Schilfrohrmatten gewählt, diese sind Putzträger und verhindern das herausbröseln der Holzhäckselspäne. Auf die Schilfrohrmatten haben wir die Rohre der Wandheizung verlegt und danach den Lehmunterputz mit aufgebracht.
In den Unterputz wurde Jutegewebe eingebettet. Danach folgte der Lehmoberputz. Als Wandfarbe haben wir Lehmfarbe verwendet.

Wir haben versucht so viel wie möglich historische Bausubstanz zu erhalten. Unter anderem wurden die alten Originaldielenbretter belassen und vorschtig gesäubert und gewachst. Die Zimmertüren neu zu machen wäre ein riesiger Aufwand gewesen, da weder der Fußboden, die Decken oder die Wände in Waage sind. Also haben wir die alten Brettertüren aufgearbeitet.
Auch die nun entstandenen breiten Fensterbretter sollten mit Material bestückt werden, dass wir beim Bau anderswo ausgebaut haben. So sind diese aus den großen Schieferplatten die ursprünglich im Flur des Erdgeschossen verlegt waren entstanden.
Einen Kompromiss mussten wir leider bei den Decken eingehen. Aufgrund der geringen Raumhöhen im OG von nur 1,83 m (Unterkante Balken) haben wir dort auf Gipskarton zurückgreifen müssen. Diesen haben wir mit einer Dämmung von 60 mm zwischen die Balken gesetzt.
Wer ein altes Haus hat und die Deckenbalken innen sichtbar lassen möchte, hat meist ein Problem, einen sauberen Abschluss vom Balken zum Material dazwischen hinzubekommen. Unsere Lösung, Hanfseile. Diese schmiegen sich perfekt an die naturgegebenen Unebenheiten des Holzes. Leisten haben da den Nachteil, dass fast kein 90° Winkel vorhanden ist und somit jede Gehrung angepasst werden muss. Ein Verspachteln bis ans Holz ist auch eher mit Schwierigkeiten verbunden, da das Holz immer arbeiten wird und Risse vorprogrammiert sind. Zum Schluss gibt es noch ein paar Bilder.

Mit freundlicher Genehmigung von Anett Beier

Bildbeschreibungen:

2 - Lose Stellen im Gefache entfernen
3 - Fehlstellen reparieren und Ständer aufbauen
4 - Wandaufbau vor dem Lehmputz
5 - Wandaufbau
6 - Aufbringen des Lehmunterputzes
7 - Erste Lage Unterputz
8 - Lehmputz trocken heizen
9 - fertig verputzte Außenwand
10 - 12 Die fertig verputzten Innengefache mit Lehmfarbe und Wandbild
13 / 14 - Schlafzimmer vorher und nachher
15 / 16 - Kinderzimmer vorher und nachher
17 - Fensterbänke aus alten Schieferplatten
18 - Balkenabschlüsse mit Hanfseil
19/20 - Mehrfach mit Wurzelbürste gereinigte und anschließend mit Hartwachsöl behandelte Dielung

 

 

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