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Wiederaufbau eines alten Bauernhauses mit Lehm

Ein Bericht von Laura Koch

Etwa um Mitte des 19. Jahrhunderts herum entstand unser Wohnhaus als Bestandteil des Dreiseithofs im Nordwestmecklenburgischen Hügelland. Als sogenannter Aussiedlerhof wurden die Bauernhöfe damals aufgrund einer erhöhten Brandgefahr von den Städten aufs Land ausgesiedelt.
Das Haus wurde im Inneren mit Fachwerk gebaut, während die Außenwände aus einem massiven, doppelschaligen Mauerwerk bestehen. Bei der Sanierung konnten wir das Fachwerk erst nach Abbruch von dicken Zementputzschichten erkennen und haben uns sehr über diesen Umstand gefreut. Die Gefache sind mit ungebrannten Lehmziegeln ausgemauert, welche damals vermutlich direkt vor Ort (dort, wo sich nun der Keller befindet) hergestellt wurden. Zum Teil fanden wir auch noch Elemente aus Lehmstaken.

Bei der Arbeit mit diesen Lehmziegeln wurde unsere Faszination für den Werkstoff Lehm geboren. Aufgrund des Umstandes, dass die untersten Balken (Schwellen) des Fachwerks leider durchgerottet waren, waren wir gezwungen sämtliche Gefache leer zu räumen, die Lehmziegel aufzustapeln und nachdem die Wand ein neues Fundament und eine neue Holzschwelle bekommen hat, diese wieder einzubauen. Dafür verwendeten wir zum Teil einfach zerbrochene Lehmziegel für den Mörtel und mauerten mit den bloßen Händen Wand für Wand wieder auf.
Auch der Boden, welcher nur aus hiesigem lehmigen Sand besteht, wurde dafür verwendet.

Die Gefache haben wir im weiteren Verlauf mit Lehm verputzt und so das Fachwerk auf Sicht gelassen. Dazu riefen wir in einem Workcamp zur Mithilfe auf und bekamen von Freunden eine Einführung in die Lehmputzpraxis.

Mit einer alten Teigknetmaschine mischten wir uns aus Grubenlehm und Sand, sowie Stroh bzw. Flachs die entsprechenden Mischungen für Ober- und Unterputz zusammen. Wir entschieden uns aufgrund der großen Fläche zu putzender Wände, sowie der Lust zum Experimentieren für Lehm direkt aus der Grube. Um das Material kennen zu lernen, setzten wir verschiedene Mischungsverhältnisse an und ließen diese auf Testfeldern trocknen. Bekam der Putz Risse, so war die Mischung zu fett (zu viel Lehm), hielt er allerdings nicht gut zusammen und war bröselig, so war sie zu mager (zu wenig Lehm).

Auch hier fanden wieder zerbrochene Lehmziegel Verwendung. Es wurde also alles wiederverwendet und es entstand kein „Müll“, den es bei Lehm ja ohnehin nicht gibt! In gemeinsamer Aktion und mit viel Spaß wurde Gefach nach Gefach verputzt und noch heute sagen die Leute, die mitgeholfen haben – sieh, das Fach habe ich gemacht!

Für uns ist dies einer der Hauptgründe, warum wir Lehm seit der Sanierung unseres Hauses lieben! Er ist so vielseitig anzuwenden, ob als Ziegel, Putz, als Stopflehm mit viel Stroh, als Lehmschlämme mit viel Wasser oder als Lehmfarbe. Dabei ist er nicht giftig, einfach mit den Händen zu verarbeiten und hinterlässt keinen Müll.
Die Handhabung ist mit ein wenig Experimentierlust schnell erlernt und macht viel Freude. Von den zahlreichen bauphysikalischen und -biologischen Eigenschaften ganz zu schweigen. Um diese aufrecht zu erhalten, war es uns wichtig auch Lehmfarbe zum Streichen zu verwenden. Hier haben wir uns die Farben auf Grundlage von weißer Lehmfarbe mit Hilfe von natürlichen Pigmenten selbst zusammengemischt. Während wir den Großteil der Wände im ursprünglichen Braun beließen, experimentierten wir an einigen Stellen mit knalligem Grün, dunklem Rot oder auch seichtem Beige. Durch das Flachs (eigentlich gedacht als Einstreu für Pferdebuchten) im Oberputz hat dieser eine Armierung bekommen und gleichzeitig eine sehr interessante Struktur erhalten. Als besonderen Eye-Catcher haben wir hier und dort Dinge in den Lehm gedrückt, wie z.B. Ähren von Weizen und so einen bleibenden Abdruck hinterlassen.

Die Harmonie aus Holz (wir haben uns auch für einen klassischen Holzdielenboden aus breiten Kiefernbohlen entschieden) in Kombination mit dem Lehm verleiht den Räumen eine ganz besondere Gemütlichkeit, die wir nicht mehr missen möchten. Wir würden uns immer wieder für die Arbeit mit Lehm entscheiden und werden diesen beim Ausbau vom Obergeschoss wieder gern in die Hand nehmen.

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